Deine drei Wege zur Anschlussfinanzierung
Wenn die Zinsbindung endet, hast du grundsätzlich drei Optionen. Welche zu dir passt, hängt vom Timing, vom aktuellen Zinsniveau und davon ab, wie viel Aufwand du investieren willst.
1. Prolongation: Verlängern bei deiner bisherigen Bank
Deine Bank schickt dir vor Ablauf der Zinsbindung ein Verlängerungsangebot. Nimmst du es an, läuft die Finanzierung mit derselben Bank zu neuen Konditionen weiter. Das ist der bequemste Weg, weil kaum Unterlagen nötig sind und kein Grundbuchwechsel anfällt. Der Haken: Die Bank steht nicht im Wettbewerb mit anderen Anbietern, das Angebot ist deshalb nicht automatisch das günstigste.
2. Umschuldung: Wechsel zu einer anderen Bank
Du kannst deine Restschuld auch zu einer anderen Bank mitnehmen, die bessere Konditionen bietet. Die neue Bank löst dein altes Darlehen ab. Der Mehraufwand ist überschaubar: Es fallen Kosten für die Abtretung der Grundschuld an, die in der Regel gering sind. Schon ein kleiner Zinsunterschied kann diese Kosten über die Laufzeit deutlich übersteigen. Genau hier liegt oft das größte Sparpotenzial.
3. Forward-Darlehen: Den Zins schon heute sichern
Mit einem Forward-Darlehen sicherst du dir die aktuellen Konditionen für deine künftige Anschlussfinanzierung, bevor deine Zinsbindung endet. Das ist je nach Anbieter bis zu rund fünf Jahre im Voraus möglich. Sinnvoll ist das vor allem, wenn du steigende Zinsen erwartest und Planungssicherheit willst. Die Bank lässt sich diese Sicherheit über einen kleinen Zinsaufschlag bezahlen. Ob sich das rechnet, hängt von der Zinsentwicklung ab, die niemand sicher vorhersagen kann.
| Weg |
Aufwand |
Wann sinnvoll |
| Prolongation |
sehr gering |
wenn das Angebot der Bank im Vergleich überzeugt |
| Umschuldung |
moderat |
wenn andere Banken klar bessere Konditionen bieten |
| Forward-Darlehen |
gering bis moderat |
wenn du den Zins früh sichern und planen willst |
Beispielrechnung: So viel Restschuld bleibt typischerweise
Zahlen machen es greifbarer. Nehmen wir ein Darlehen über 300.000 € mit zehn Jahren Zinsbindung und einer anfänglichen Tilgung von 2 %.
- Darlehen: 300.000 €
- Anfängliche Tilgung: 2 %
- Zinsbindung: 10 Jahre
Bei einem beispielhaften Sollzins von 3 % läge deine jährliche Rate bei rund 5 % der Darlehenssumme (3 % Zins plus 2 % Tilgung), also etwa 15.000 € im Jahr oder 1.250 € im Monat. Über zehn Jahre tilgst du dabei nicht nur die anfänglichen 2 %, sondern durch den sogenannten Tilgungseffekt etwas mehr, weil der getilgte Anteil mit der Zeit steigt.
Nach zehn Jahren bleibt in diesem Beispiel grob eine Restschuld in der Größenordnung von rund 230.000 € offen. Genau diese Summe ist der Gegenstand deiner Anschlussfinanzierung. Der konkrete Wert hängt vom tatsächlichen Zinssatz und von Sondertilgungen ab. Eine genaue Zahl liefert dir ein Tilgungsplan.
Hebel Sondertilgung: Hast du während der ersten Zinsbindung Sondertilgungen geleistet, ist deine Restschuld niedriger und damit auch deine künftige Rate. Sondertilgung ist einer der wirksamsten Wege, die Anschlussfinanzierung günstiger zu machen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Du musst nicht bis zum letzten Monat warten. Im Gegenteil: Wer früh plant, hat mehr Optionen. Ein guter Rahmen sieht so aus:
- Drei bis fünf Jahre vorher: Marktüberblick verschaffen, Forward-Darlehen prüfen, falls du steigende Zinsen erwartest.
- Etwa ein Jahr vorher: konkrete Angebote vergleichen, Restschuld und gewünschte Rate festlegen.
- Spätestens drei Monate vorher: entscheiden, damit der Übergang nahtlos klappt und du nicht ungewollt in einen variablen Zins rutschst.
Ein weiterer Punkt, den viele übersehen: Plane die Restlaufzeit mit Blick auf deinen Renteneintritt. Die meisten Banken kalkulieren so, dass das Darlehen bis dahin vollständig zurückgezahlt ist. Bei der Anschlussfinanzierung kannst du die Tilgung anpassen, um genau das zu erreichen. Eine höhere Tilgung verkürzt die Restlaufzeit, erhöht aber die Rate. Hier den richtigen Mittelweg zu finden, ist eine der wichtigsten Entscheidungen.
Fazit
Eine Anschlussfinanzierung ist nichts Außergewöhnliches, sondern der planmäßige zweite Teil fast jeder Immobilienfinanzierung. Sie regelt, wie es mit deiner Restschuld weitergeht, sobald die erste Zinsbindung endet. Du hast die Wahl zwischen Verlängern, Wechseln und Vorab-Sichern. Das Angebot deiner Bank ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Wer früh plant, die Restschuld kennt und vergleicht, behält die Kontrolle und entscheidet auf Basis von Zahlen statt auf Zuruf. Am Ende geht es um etwas Konkretes: dass dein Zuhause zu fairen Bedingungen weiterfinanziert wird.