Was ist eine Anschlussfinanzierung?
In Kürze: Eine Anschlussfinanzierung ist die neue Finanzierung für die Restschuld deines Immobilienkredits, sobald die erste Zinsbindung endet. Fast niemand zahlt sein Darlehen in der ersten Zinsbindung komplett ab. Was übrig bleibt, finanzierst du zu dann gültigen Konditionen weiter. Du kannst bei deiner bisherigen Bank verlängern (Prolongation), zu einer anderen Bank wechseln (Umschuldung) oder dir den Zins schon vorab sichern (Forward-Darlehen). Wer rechtzeitig vergleicht, entscheidet selbst und nicht erst auf Zuruf der Bank.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Anschlussfinanzierung betrifft die Restschuld, die nach Ende der Zinsbindung noch offen ist.
- Du hast drei Wege: Prolongation (bei der bisherigen Bank), Umschuldung (Wechsel) und Forward-Darlehen (Zins vorab sichern).
- Das Angebot deiner Bank ist ein Vorschlag, keine Vorgabe. Ein Vergleich kostet dich nichts und ist Schufa-neutral.
- Sinnvoller Startpunkt: rund drei bis fünf Jahre vor Ende der Zinsbindung mit der Planung beginnen.
- Wichtige Stellhebel bleiben Tilgung, Sondertilgung und die Restlaufzeit bis zum Renteneintritt.
Inhalt
- Definition: Was bedeutet Anschlussfinanzierung?
- Warum brauchst du sie überhaupt?
- Erstfinanzierung und Anschlussfinanzierung im Vergleich
- Deine drei Wege zur Anschlussfinanzierung
- Beispielrechnung: So viel Restschuld bleibt typischerweise
- Wann der richtige Zeitpunkt ist
- Fazit
- Häufige Fragen
Definition: Was bedeutet Anschlussfinanzierung?
Eine Anschlussfinanzierung ist die Weiterfinanzierung der Restschuld deines Immobilienkredits nach Ablauf der vereinbarten Zinsbindung. Sie löst dein altes Darlehen ab und führt es zu neuen Konditionen fort, bis die Immobilie vollständig abbezahlt ist.
Der Hintergrund: Wenn du eine Immobilie finanzierst, vereinbarst du mit der Bank meist einen festen Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum. Diese Zinsbindung läuft typischerweise zehn, manchmal auch fünf oder 15 Jahre. In dieser Zeit zahlst du jeden Monat deine Rate aus Zins und Tilgung. Am Ende der Zinsbindung ist das Darlehen aber in den allermeisten Fällen noch nicht vollständig getilgt. Es bleibt eine Restschuld. Genau für diese Restschuld brauchst du eine neue Vereinbarung. Das ist die Anschlussfinanzierung.
Wichtig zu wissen: Es geht hier nicht um einen komplett neuen Kredit für eine neue Immobilie, sondern um die Fortführung deiner bestehenden Finanzierung zu den dann gültigen Marktbedingungen.
Warum brauchst du eine Anschlussfinanzierung?
Der Grund ist einfach: Tilgung und Zinsbindung passen zeitlich fast nie zusammen. Bei einer anfänglichen Tilgung von 2 % und einem üblichen Zinsniveau dauert es grob 30 Jahre, bis ein Darlehen abbezahlt ist. Deine Zinsbindung läuft aber vielleicht nur zehn Jahre. Nach diesen zehn Jahren ist also noch ein großer Teil der ursprünglichen Summe offen.
Für diese offene Summe gibt es zwei Möglichkeiten: Du könntest sie auf einen Schlag zurückzahlen, falls du das Geld zur Verfügung hast. Das ist die Ausnahme. Oder du finanzierst sie weiter. Das ist der Normalfall und genau das ist die Anschlussfinanzierung.
Der entscheidende Punkt: Beim Übergang ändert sich in aller Regel dein Zinssatz, weil sich das Marktniveau seit deinem ersten Abschluss verändert hat. Dieser neue Zins bestimmt für die nächsten Jahre deine Rate. Deshalb lohnt es sich, den Übergang aktiv zu gestalten und nicht einfach das erstbeste Angebot zu akzeptieren.
Erstfinanzierung und Anschlussfinanzierung im Vergleich
Beide Finanzierungen funktionieren technisch ähnlich, meist als Annuitätendarlehen mit gleichbleibender Monatsrate. Der Unterschied liegt im Ausgangspunkt.
| Merkmal | Erstfinanzierung | Anschlussfinanzierung |
|---|---|---|
| Finanziert wird | der Kaufpreis abzüglich Eigenkapital | die verbliebene Restschuld |
| Darlehenshöhe | höher (volle Finanzierungssumme) | niedriger (bereits getilgter Teil fällt weg) |
| Beleihungsauslauf | höher | meist niedriger, weil schon getilgt wurde. Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert. |
| Bank frei wählbar | ja | ja, du bist nicht an deine bisherige Bank gebunden |
| Zinssatz | Niveau zum Kaufzeitpunkt | Niveau zum Ende der Zinsbindung |
Eine oft unterschätzte gute Nachricht für die Anschlussfinanzierung: Weil du schon einen Teil getilgt hast und deine Immobilie an Wert gewonnen haben kann, ist dein Beleihungsauslauf häufig niedriger als bei der Erstfinanzierung. Ein niedrigerer Beleihungsauslauf führt bei vielen Banken zu besseren Konditionen.
Deine drei Wege zur Anschlussfinanzierung
Wenn die Zinsbindung endet, hast du grundsätzlich drei Optionen. Welche zu dir passt, hängt vom Timing, vom aktuellen Zinsniveau und davon ab, wie viel Aufwand du investieren willst.
1. Prolongation: Verlängern bei deiner bisherigen Bank
Deine Bank schickt dir vor Ablauf der Zinsbindung ein Verlängerungsangebot. Nimmst du es an, läuft die Finanzierung mit derselben Bank zu neuen Konditionen weiter. Das ist der bequemste Weg, weil kaum Unterlagen nötig sind und kein Grundbuchwechsel anfällt. Der Haken: Die Bank steht nicht im Wettbewerb mit anderen Anbietern, das Angebot ist deshalb nicht automatisch das günstigste.
2. Umschuldung: Wechsel zu einer anderen Bank
Du kannst deine Restschuld auch zu einer anderen Bank mitnehmen, die bessere Konditionen bietet. Die neue Bank löst dein altes Darlehen ab. Der Mehraufwand ist überschaubar: Es fallen Kosten für die Abtretung der Grundschuld an, die in der Regel gering sind. Schon ein kleiner Zinsunterschied kann diese Kosten über die Laufzeit deutlich übersteigen. Genau hier liegt oft das größte Sparpotenzial.
3. Forward-Darlehen: Den Zins schon heute sichern
Mit einem Forward-Darlehen sicherst du dir die aktuellen Konditionen für deine künftige Anschlussfinanzierung, bevor deine Zinsbindung endet. Das ist je nach Anbieter bis zu rund fünf Jahre im Voraus möglich. Sinnvoll ist das vor allem, wenn du steigende Zinsen erwartest und Planungssicherheit willst. Die Bank lässt sich diese Sicherheit über einen kleinen Zinsaufschlag bezahlen. Ob sich das rechnet, hängt von der Zinsentwicklung ab, die niemand sicher vorhersagen kann.
| Weg | Aufwand | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Prolongation | sehr gering | wenn das Angebot der Bank im Vergleich überzeugt |
| Umschuldung | moderat | wenn andere Banken klar bessere Konditionen bieten |
| Forward-Darlehen | gering bis moderat | wenn du den Zins früh sichern und planen willst |
Beispielrechnung: So viel Restschuld bleibt typischerweise
Zahlen machen es greifbarer. Nehmen wir ein Darlehen über 300.000 € mit zehn Jahren Zinsbindung und einer anfänglichen Tilgung von 2 %.
- Darlehen: 300.000 €
- Anfängliche Tilgung: 2 %
- Zinsbindung: 10 Jahre
Bei einem beispielhaften Sollzins von 3 % läge deine jährliche Rate bei rund 5 % der Darlehenssumme (3 % Zins plus 2 % Tilgung), also etwa 15.000 € im Jahr oder 1.250 € im Monat. Über zehn Jahre tilgst du dabei nicht nur die anfänglichen 2 %, sondern durch den sogenannten Tilgungseffekt etwas mehr, weil der getilgte Anteil mit der Zeit steigt.
Nach zehn Jahren bleibt in diesem Beispiel grob eine Restschuld in der Größenordnung von rund 230.000 € offen. Genau diese Summe ist der Gegenstand deiner Anschlussfinanzierung. Der konkrete Wert hängt vom tatsächlichen Zinssatz und von Sondertilgungen ab. Eine genaue Zahl liefert dir ein Tilgungsplan.
Hebel Sondertilgung: Hast du während der ersten Zinsbindung Sondertilgungen geleistet, ist deine Restschuld niedriger und damit auch deine künftige Rate. Sondertilgung ist einer der wirksamsten Wege, die Anschlussfinanzierung günstiger zu machen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Du musst nicht bis zum letzten Monat warten. Im Gegenteil: Wer früh plant, hat mehr Optionen. Ein guter Rahmen sieht so aus:
- Drei bis fünf Jahre vorher: Marktüberblick verschaffen, Forward-Darlehen prüfen, falls du steigende Zinsen erwartest.
- Etwa ein Jahr vorher: konkrete Angebote vergleichen, Restschuld und gewünschte Rate festlegen.
- Spätestens drei Monate vorher: entscheiden, damit der Übergang nahtlos klappt und du nicht ungewollt in einen variablen Zins rutschst.
Ein weiterer Punkt, den viele übersehen: Plane die Restlaufzeit mit Blick auf deinen Renteneintritt. Die meisten Banken kalkulieren so, dass das Darlehen bis dahin vollständig zurückgezahlt ist. Bei der Anschlussfinanzierung kannst du die Tilgung anpassen, um genau das zu erreichen. Eine höhere Tilgung verkürzt die Restlaufzeit, erhöht aber die Rate. Hier den richtigen Mittelweg zu finden, ist eine der wichtigsten Entscheidungen.
Fazit
Eine Anschlussfinanzierung ist nichts Außergewöhnliches, sondern der planmäßige zweite Teil fast jeder Immobilienfinanzierung. Sie regelt, wie es mit deiner Restschuld weitergeht, sobald die erste Zinsbindung endet. Du hast die Wahl zwischen Verlängern, Wechseln und Vorab-Sichern. Das Angebot deiner Bank ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Wer früh plant, die Restschuld kennt und vergleicht, behält die Kontrolle und entscheidet auf Basis von Zahlen statt auf Zuruf. Am Ende geht es um etwas Konkretes: dass dein Zuhause zu fairen Bedingungen weiterfinanziert wird.
Häufige Fragen zur Anschlussfinanzierung
Was passiert, wenn ich nichts unternehme und die Zinsbindung ausläuft?
Läuft die Zinsbindung aus, ohne dass du eine neue Vereinbarung getroffen hast, geht das Darlehen meist in einen variablen Zins über. Dieser kann sich monatlich ändern und ist oft teurer. Außerdem darfst du ein Darlehen nach Ablauf von zehn Jahren mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Es lohnt sich also, vorher aktiv zu werden.
Muss ich bei meiner bisherigen Bank bleiben?
Nein. Du bist nach Ablauf der Zinsbindung völlig frei, deine Restschuld zu einer anderen Bank mitzunehmen. Die Kosten für den Wechsel sind in der Regel gering und werden von einem besseren Zins oft schnell ausgeglichen.
Ist eine Anschlussfinanzierung teurer als die Erstfinanzierung?
Das hängt allein vom Zinsniveau zum Zeitpunkt des Übergangs ab. Da du schon getilgt hast und dein Beleihungsauslauf niedriger ist, sind die Konditionen aber häufig sogar etwas besser als bei der Erstfinanzierung, sofern das Marktniveau vergleichbar ist.
Wie früh kann ich mich um die Anschlussfinanzierung kümmern?
Mit einem Forward-Darlehen kannst du dir den Zins je nach Anbieter bis zu rund fünf Jahre im Voraus sichern. Sich frühzeitig einen Marktüberblick zu verschaffen, ist immer sinnvoll.
Kostet ein Vergleich der Anschlussfinanzierung etwas?
Bei uns entstehen für dich keine Zusatzkosten. Wir werden erst beim erfolgreichen Abschluss bezahlt, und die Vermittlungsgebühr trägt die jeweilige Bank. Eine unverbindliche Berechnung ist außerdem Schufa-neutral.