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Paar auf dem Wohnzimmer-Sofa vergleicht am Laptop verschiedene Zinsbindungen für die Baufinanzierung.
Zinsbindung Baufinanzierung-Grundlagen Zinsen

Welche Zinsbindung ist bei der Baufinanzierung sinnvoll?

Dennis Albrecht
Dennis Albrecht

Die Zinsbindung ist der Zeitraum, für den dein Sollzins bei der Baufinanzierung fest vereinbart bleibt. Marktüblich sind 5, 10, 15, 20 oder 30 Jahre, einzelne Banken bieten bis zu 40 Jahre. Je länger du den Zins festschreibst, desto mehr Planungssicherheit bekommst du, desto höher ist in der Regel aber auch der Zinsaufschlag. Eine pauschal richtige Zinsbindung gibt es nicht. Sie hängt von deiner Zinsprognose, deiner geplanten Restschuld und deinen Sondertilgungsoptionen ab.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Zinsbindung ist der Zeitraum mit festem Sollzins. Marktüblich sind 5 bis 30 Jahre, einzelne Anbieter gehen bis 40 Jahre.
  • Eine längere Bindung gibt dir mehr Sicherheit, kostet aber meist einen kleinen Aufschlag. Zwischen 5 und 15 Jahren liegt der Unterschied grob bei 0,2 bis 0,6 Prozentpunkten, je nach Marktlage.
  • Die Mehrheit entscheidet sich für 10 Jahre.
  • Nach § 489 BGB kannst du frühestens 10 Jahre nach vollständiger Auszahlung ohne Vorfälligkeitsentschädigung aussteigen. Das gilt auch bei 15 oder 20 Jahren Bindung.
  • Die passende Bindung hängt von deiner Zinsprognose, deiner geplanten Restschuld und deinen Sondertilgungsoptionen ab, nicht von einer Faustregel.

Inhaltsübersicht


Was bedeutet Zinsbindung bei der Baufinanzierung?

Die Zinsbindung ist der Zeitraum, für den deine Bank den Sollzins deiner Baufinanzierung fest zusagt. Innerhalb dieser Frist bleibt dein Zinssatz unverändert, egal wie sich der Markt entwickelt. Deine monatliche Rate ist damit über die gesamte Bindung hinweg planbar.

Nach Ablauf der Zinsbindung ist dein Darlehen in der Regel noch nicht vollständig getilgt. Es bleibt eine Restschuld, die du über eine Anschlussfinanzierung zu dann geltenden Konditionen weiterfinanzierst. Wie hoch diese Restschuld ausfällt und zu welchem Zins du sie weiterfinanzierst, ist der eigentliche Kern der Frage nach der richtigen Zinsbindung.

Welche Zinsbindungen sind marktüblich?

In Deutschland kannst du deinen Zins über sehr unterschiedliche Zeiträume festschreiben. Gängig sind fünf Stufen, dazu einzelne Sonderformen mit besonders langer Bindung.

  • 5 Jahre: kurze Bindung, meist der niedrigste Zinsaufschlag.
  • 10 Jahre: die häufigste Wahl und ein guter Kompromiss aus Sicherheit und Zins.
  • 15 Jahre: längere Sicherheit bei überschaubarem Aufschlag.
  • 20 Jahre: lange Planbarkeit, spürbarer Aufschlag.
  • 30 Jahre: sehr lange Bindung, höherer Aufschlag.

Einzelne Anbieter gehen sogar bis 40 Jahre. Als grobe Orientierung gilt: Je länger du den Zins festschreibst, desto höher ist in der Regel der Aufschlag, den die Bank für diese zusätzliche Sicherheit verlangt.

Kurze oder lange Zinsbindung? Die Abwägung

Bei der Wahl der Zinsbindung tauschst du zwei Dinge gegeneinander ab: Planungssicherheit und Zinshöhe. Eine kurze Bindung ist meist etwas günstiger, lässt dich aber früher wieder dem Marktzins ausgesetzt. Eine lange Bindung kostet einen Aufschlag, sichert dir dafür aber über viele Jahre eine konstante Rate.

Wie groß dieser Aufschlag ist, hängt von der Marktlage ab. Zwischen einer Bindung von 5 und einer von 15 Jahren liegt der Unterschied grob bei 0,2 bis 0,6 Prozentpunkten. Das ist eine Orientierung, kein fester Wert. Den aktuellen Abstand für deinen Fall solltest du dir tagesaktuell zeigen lassen.

Wichtig für die Einordnung ist die langfristige Perspektive. Historisch betrachtet waren Zinssätze im Bereich von drei bis vier Prozent kein schlechter, sondern ein solider Wert. Das ist eine langfristige Einordnung und kein Hinweis auf den heutigen Marktzins. Wie hoch der Zins aktuell ist, erfährst du nur tagesaktuell.

adrian

"Drei bis vier Prozent sind historisch kein schlechter Zins, sondern ein solider. Wer das versteht, schreibt ihn lieber fünfzehn Jahre fest als zehn. Und wer flexibel bleiben will, hat nach zehn Jahren ein gesetzliches Ausstiegsrecht."

Adrian Sauer, Senior Finanzberater

Das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Eine lange Zinsbindung bindet dich weniger fest, als viele denken. Das Gesetz gibt dir ein Ausstiegsrecht. Nach § 489 BGB kannst du dein Darlehen frühestens 10 Jahre nach der vollständigen Auszahlung kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt 6 Monate, und es fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an.

Dieses Recht ist gesetzlich zwingend. Deine Bank kann es im Vertrag nicht ausschließen. Praktisch heißt das: Selbst wenn du dir eine Bindung von 15 oder 20 Jahren sicherst, bist du spätestens nach 10 Jahren wieder frei. Sinken die Zinsen bis dahin, kannst du kostenfrei aussteigen und günstiger weiterfinanzieren. Bleiben sie hoch, profitierst du weiter von deinem festgeschriebenen Zins.

Eine lange Zinsbindung wirkt so eher wie eine Zinsversicherung nach unten. Du sicherst dir den heutigen Zins über viele Jahre, gibst aber die Chance auf günstigere Konditionen nicht vollständig auf.

Mit unserem Online-Rechner findest du in nur wenigen Minuten heraus, welche Konditionen du für eine Finanzierung bekommen kannst.

Wovon deine Entscheidung wirklich abhängt

Eine pauschal richtige Zinsbindung gibt es nicht. Ob eine kurze oder lange Bindung besser zu dir passt, entscheiden vor allem drei Faktoren, dazu ein vierter, der oft übersehen wird.

Deine Zinsprognose

Erwartest du eher steigende Zinsen, sichert dir eine lange Bindung den heutigen Zins über einen langen Zeitraum. Rechnest du mit fallenden Zinsen, kann eine kürzere Bindung sinnvoll sein, weil du früher zu dann günstigeren Konditionen weiterfinanzierst. Eine sichere Prognose gibt es dabei nicht. Deshalb ist das gesetzliche Kündigungsrecht nach 10 Jahren so wertvoll.

Deine geplante Restschuld

Je höher deine Restschuld zum Ende der Zinsbindung ausfällt, desto größer ist dein Zinsänderungsrisiko bei der Anschlussfinanzierung. Wer eine hohe Restschuld erwartet, ist mit einer längeren Bindung oft besser abgesichert. Wer schon viel getilgt hat, kann eine kürzere Bindung eher verkraften.

Deine Sondertilgungsoptionen

Vereinbarte Sondertilgungen senken deine Restschuld schneller. Damit sinkt auch das Risiko, das eine kürzere Bindung mit sich bringt. Achte im Angebot darauf, welche Sondertilgungen ohne zusätzliche Kosten möglich sind. Sie geben dir Spielraum, unabhängig von der gewählten Zinsbindung.

Dein Alter und der Renteneintritt

Die meisten Banken kalkulieren mit einer vollständigen Rückzahlung des Darlehens vor dem Renteneintritt. Wer später kauft, hat weniger Zeit und braucht daher tendenziell eine höhere Tilgung. Eine längere Zinsbindung mit stabiler Rate kann helfen, den Rückzahlungsplan verlässlich bis zur Rente durchzuhalten.

Ein Rechenbeispiel: Zinsbindung und Restschuld

Angenommen, du finanzierst 300.000 € mit einer anfänglichen Tilgung von 2 %. Nach der Faustregel zwischen Tilgung und Laufzeit ist ein solches Darlehen bei 2 % Tilgung nach rund 30 Jahren abbezahlt.

Wählst du eine Zinsbindung von 10 Jahren, hast du zum Ablauf grob ein Drittel der Laufzeit hinter dir. Deine Restschuld ist dann noch spürbar, und du finanzierst sie zu den in 10 Jahren geltenden Konditionen weiter. Bei einer Bindung von 15 Jahren ist die Restschuld zum Ablauf deutlich kleiner, weil du länger getilgt hast. Damit sinkt auch dein Risiko, dass ein höherer Anschlusszins deine Rate stark verteuert.

Wie hoch die Restschuld genau ausfällt, hängt vom vereinbarten Sollzins ab. Diesen Wert solltest du dir für deine konkrete Finanzierung tagesaktuell berechnen lassen.

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Fazit

Die richtige Zinsbindung ist keine Frage einer einzelnen Zahl, sondern deiner Situation. Marktüblich sind 5 bis 30 Jahre, die meisten wählen 10 Jahre. Eine längere Bindung gibt dir mehr Sicherheit und kostet meist einen kleinen Aufschlag. Weil du nach § 489 BGB nach 10 Jahren ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen kannst, ist eine lange Bindung selten ein Nachteil, sondern eher eine Absicherung nach unten.

Schau dir deine Zinsprognose, deine geplante Restschuld, deine Sondertilgungsoptionen und den Zeitpunkt deines Renteneintritts an. Aus diesen vier Punkten ergibt sich, welche Bindung zu deinem Weg ins eigene Zuhause passt.

Häufige Fragen zur Zinsbindung

Welche Zinsbindung ist die häufigste?

Die Mehrheit entscheidet sich für eine Zinsbindung von 10 Jahren. Sie gilt als guter Kompromiss aus Planungssicherheit und Zinshöhe.

Ist eine längere Zinsbindung immer teurer?

In der Regel verlangt die Bank für eine längere Bindung einen kleinen Aufschlag. Zwischen 5 und 15 Jahren liegt der Unterschied grob bei 0,2 bis 0,6 Prozentpunkten, abhängig von der Marktlage. Den aktuellen Abstand lässt du dir am besten tagesaktuell zeigen.

Komme ich aus einer langen Zinsbindung wieder heraus?

Ja. Nach § 489 BGB kannst du dein Darlehen frühestens 10 Jahre nach der vollständigen Auszahlung mit einer Frist von 6 Monaten kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das gilt auch, wenn du eine Bindung von 15 oder 20 Jahren vereinbart hast.

Welche Zinsbindung passt zu mir?

Das hängt von deiner Zinsprognose, deiner geplanten Restschuld, deinen Sondertilgungsoptionen und dem Zeitpunkt deines Renteneintritts ab. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht.

Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?

Nach Ablauf bleibt in der Regel eine Restschuld, die du über eine Anschlussfinanzierung weiterfinanzierst. Die Konditionen richten sich dann nach dem zu diesem Zeitpunkt geltenden Marktzins.

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Dennis Albrecht

Dennis ist seit 13,5 Jahren in der Immobilienfinanzierung zu Hause. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei einer großen Bank war er rund zehn Jahre als Senior-Finanzierungsberater bei einem der führenden Baufinanzierungsvermittler tätig. 
Sein Ansatz ist konsequent lösungsorientiert. Nicht das Produkt steht im Mittelpunkt, sondern die Situation des Menschen dahinter. Ob Kauf, Neubau, Anschlussfinanzierung oder Kapitalanlage: Dennis findet den passenden Weg, auch wenn die Struktur komplex wird.
Als Familienvater weiß er selbst, wie viel finanzielle Sicherheit und ein eigenes Zuhause bedeuten.